Wenn bei Ihnen Stellen offen sind, kennen Sie das Spiel: Sie posten was auf Social Media, schalten vielleicht ein bisschen Werbung, hoffen auf Bewerbungen – und am Ende kommt entweder nichts oder nur „Bodensatz“. Und während Sie noch diskutieren, ob Sie „mal eine Mitarbeiterkampagne starten“, hat der Wettbewerber im Umkreis schon die ersten Gespräche durch.
Eine Mitarbeiterkampagne ist kein Post und auch kein „Ads testen“. Es ist ein System aus Angebot, Botschaft, Bewerbungsstrecke, Reichweite, Prozess und Bindung. Wenn ein Baustein fehlt, zahlen Sie Lehrgeld – jeden Monat.
Wenn Sie nur eine Sache mitnehmen: Eine Kampagne gewinnt nicht der, der am schönsten wirbt – sondern der, der am saubersten liefert.
Eine Mitarbeiterkampagne ist eine geplante, messbare Maßnahme, um Personal zu gewinnen. Punkt. Nicht „Employer Branding“. Nicht „wir posten mal was“. Nicht „wir machen mal ein Video“.
Damit Sie sauber denken, hier die drei Schubladen:
Und jetzt der wichtigste Satz: Wenn Sie Recruiting messen, messen Sie bis zur Einstellung – und idealerweise bis zur Probezeit. Alles davor ist nur „Aktivität“.
„Und dann muss der Arzt wissen, was das Symptombild bedeutet, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, welche Ursachen es geben kann und dann Medikamente verschreiben oder Therapien verschreiben oder Gegenmaßnahmen einleiten. Und wir werden jetzt exakt dasselbe machen.“
Genau so müssen Sie Ihre Kampagne betrachten: Symptom → Ursache → Therapie. Nicht „noch eine Anzeige“.
Ich sage es hart, weil es stimmt: In 80% der Fälle scheitert die Kampagne nicht am Kanal, sondern am Fundament. Sie können den besten Traffic der Welt kaufen – wenn Ihre Strecke und Ihr Alltag Mist sind, kommt Mist raus.
Die 9 Klassiker, die ich ständig sehe:
Aus meiner Erfahrung ist der teuerste Denkfehler dieser: „Wir brauchen mehr Bewerbungen.“ Nein. Sie brauchen mehr passende Gespräche – und mehr passende Einstellungen, die bleiben.
„Wenn man so wirbt, zieht man zwangsläufig nur die ‚Bodensatz-Bewerber‘ an, die sich überall bewerben, aber nichts können. Echte Fachkräfte ignorieren Standard-Werbung; sie reagieren nur auf Authentizität und Werte.“
Das gilt nicht nur in der Pflege. Das gilt im Handwerk genauso wie in der Logistik, Produktion oder IT: Standard zieht Standard an.
Viele Kampagnen sind schwach, weil sie an einer simplen Realität vorbeilaufen: Es gibt zwei Arten von Kandidaten.
Und jetzt kommt die Logik dahinter: Jobbörsen und Google fangen aktiv Suchende ab. Social Media und gutes Creative erzeugen Wechsel-Impulse bei passiven Kandidaten. Deshalb ist „entweder Social oder Google“ meistens die falsche Frage.
„… dann gibt es auch nur einen kleinen Anteil der Leute, die jetzt aktiv ein Problem haben, während der Rest eher so passiv das Problem hat. Und nur die Aktiven werden überhaupt an der Stelle positiv reagieren, weil die Aktiven jetzt gerade eine Problemlösung suchen.“
Übersetzt: Wenn Sie nur aktiv Suchende bespielen, lassen Sie den größeren Pool liegen. Wenn Sie nur passiv bespielen, lassen Sie die „Ich will jetzt wechseln“-Leute liegen. Beides sauber zu kombinieren ist der Hebel.
Mini-Beispiel (Schichtbetrieb): Ob Pflege, Produktion oder Logistik – Wechselimpulse entstehen oft nach einer harten Schicht. Genau dann muss Ihre Botschaft im Feed auftauchen und sagen: „Bei uns ist das anders – konkret so.“
Früher haben viele geglaubt, man „targetiert sich“ den Erfolg zusammen: Interessen hier, Jobtitel da, Lookalikes, fertig. Das funktioniert heute deutlich schlechter – weil Plattformen immer stärker automatisiert ausspielen.
Die Konsequenz ist brutal simpel: Ihr Creative (Bild/Video/Text) entscheidet, wen der Algorithmus findet. Nicht Ihr Wunschdenken.
„… und das Ganze wird wie eine Art Prompt aufgefasst, der an die KI abgegeben wird und die KI schaut dann, welche Leute könnte das interessieren.“
Das ist auch der Grund, warum „eine Anzeige“ selten reicht. Sie brauchen eine Creative-Bibliothek, die verschiedene Motive testet. Und zwar nicht random – sondern nach System.
Wer das technisch tiefer nachlesen will: Meta beschreibt mit „Andromeda“ sehr offen, wie stark Personalisierung und Ausspielung über ML/Retrieval laufen. [1] Sie müssen dafür kein Data Scientist sein. Sie müssen nur verstehen: Der Algorithmus kann nur finden, was Sie ihm als Signal geben.
Damit Sie nicht wieder „Wir suchen dich“ posten, hier Winkel, die Kandidaten wirklich triggern:
Das ist der Unterschied zwischen Werbung und Recruiting: Recruiting muss filtern. Sonst kaufen Sie sich nur Arbeit.
Wenn Sie Mitarbeiter planbar gewinnen wollen, brauchen Sie diese sieben Bausteine. In dieser Reihenfolge. Sonst wird’s wieder Aktionismus.
Kandidaten stellen innerlich eine einzige Frage: „Wird mein Alltag besser – oder nur anders schlimm?“
Wenn Sie das Angebot formulieren, schreiben Sie Regeln statt Floskeln:
Und ja: Der berühmte Obstkorb zieht niemanden mehr. Wenn Sie ernsthaft gewinnen wollen, müssen Sie Arbeitsrealität verbessern oder ehrlich adressieren.
„Mitarbeiter gesucht“ ist keine Positionierung. Das ist ein Hilferuf.
10-Sekunden-Formel:
Beispiel (neutral, aber stark): „Bei uns sind deine Zeiten planbar, weil wir Schichttausch und Ausfälle über ein festes System lösen. Du merkst das ab Woche 1.“
Hier verlieren die meisten – nicht, weil sie doof sind, sondern weil sie es unterschätzen. Sie können nicht erwarten, dass jemand nach Feierabend drei Formulare ausfüllt.
Die 60-Sekunden-Bewerbung braucht am Anfang nur diese Felder:
Alles andere klären Sie im Gespräch. Je mehr Reibung, desto mehr Abbruch.
Und Tracking ist Pflicht: Quelle → Bewerbung → Gespräch → Einstellung → (optional) 90 Tage. Ohne das steuern Sie nicht.
In unserer Arbeit mit Kunden sehen wir oft: Sobald drei Creatives laufen, die alle gleich klingen, kommt ein Ergebnis – und dann stagniert es. Nicht, weil „der Markt leer ist“, sondern weil Sie dem Algorithmus nichts Neues geben.
Regel aus der Praxis: lieber 10 ehrliche Creatives testen als 1 Hochglanz-Masterpiece.
Wichtig: Offline ist selten der beste Start. Aber wenn Sie lokal omnipräsent sein wollen, kann es als Verstärker funktionieren. Nur bitte nicht als Ersatz für ein kaputtes System.
Wenn Sie hier stark sind, können Ihre Anzeigen mittelmäßig sein – und Sie stellen trotzdem ein. Wenn Sie hier schwach sind, kann Ihre Werbung perfekt sein – und Sie verbrennen Budget.
Speed-Regel: Kontakt innerhalb von 24 Stunden. Besser: am selben Tag.
Forschung stützt das grundsätzlich: Verzögerungen in der Kommunikation verschlechtern Candidate Reactions und Outcomes. [6] Auch schnellere Angebote werden häufiger angenommen. [7]
Vorqualifizierung (10 Minuten), die Ihnen Wochen sparen:
Und ja: Machen Sie das freundlich. Aber machen Sie es klar. Sie wollen nicht „nett wirken“. Sie wollen einstellen.
Die härteste Wahrheit: Wenn die Person nach 8 Wochen wieder geht, war Recruiting nicht erfolgreich. Dann haben Sie nur „eingestellt“ – und wieder verloren.
In unserer Arbeit sehen wir genau hier den größten Hebel: gutes Onboarding, klare Erwartungen, echte Führung in den ersten 30 Tagen. Das ist kein „HR-Thema“. Das ist Business.
„… dann stelle ich ab ja für den Rest hat man sechs Monate Probezeit in der man sich kennenlernen kann …“
Eine Mitarbeiter werben Mitarbeiter Kampagne ist oft die beste Quelle für Qualität. Warum? Weil gute Leute selten schlechte Leute empfehlen. Und weil Referrals oft schneller Vertrauen aufbauen.
Studien zeigen regelmäßig Vorteile bei Referrals (z. B. Retention/Performance) – aber auch: Die Ausgestaltung (Bonus, Regeln) beeinflusst Effekte. [3] [4] [5]
Wichtig, bevor wir über Prämien reden:
Wenn Sie es „locker“ machen, wird es chaotisch. Regeln schaffen Fairness:
Viele zahlen einfach 500 oder 1.000 Euro „auf die Hand“ und wundern sich, wenn Payroll die Augen verdreht. In Deutschland sind Werbeprämien in der Regel steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn. [8] [9]
Heißt nicht, dass Sie es nicht machen sollen. Heißt nur: Planen Sie es sauber (und sprechen Sie mit Steuerberater/Lohnbüro).
Praxis-Modelle, die funktionieren:
Noch einmal: Das ist keine Steuerberatung. Aber wenn Sie Referral ernst nehmen, nehmen Sie Payroll ernst.
Das Programm „existiert“ nicht, nur weil es im Intranet steht. Es lebt, wenn Sie es wie ein Produkt launchen.
Sie brauchen kein KPI-Theater. Sie brauchen Steuerbarkeit.
Wenn Sie nur Klicks reporten, reporten Sie Beschäftigung. Wenn Sie Einstellungen reporten, reporten Sie Ergebnis.
„Was kostet eine Mitarbeiterkampagne?“ Kommt drauf an – aber nicht so, wie die meisten denken.
Sie bezahlen immer zwei Dinge:
Aus meiner Erfahrung ist der häufigste Fehler: Man spart am Setup und verheizt dann Budget.
Realistische Timeline (wenn Sie es ernst meinen):
Ja, es kann sein, dass erste Bewerbungen schnell kommen. Aber Qualität und Planbarkeit entstehen, wenn der Prozess sitzt.
Nein. Social kann ein Teil sein. Aber ohne Angebot, Bewerbungsstrecke und Prozess wird Social nur ein Lautsprecher für Ihr Chaos.
Social erzeugt Wechselimpuls (passive Kandidaten). Google fängt aktive Suche ab. Wer nur eins macht, lässt Potenzial liegen.
Meistens wegen 08/15-Botschaft ohne Filter, zu breiter Ansprache und fehlender Vorqualifizierung. Wenn Ihre Anzeige wie jede zweite aussieht, bekommen Sie die Leute, die sich überall bewerben.
Ja – wenn Kultur und Arbeitsrealität stimmen. Studien zeigen häufig bessere Ergebnisse bei Referrals. [3] [5] Wenn Ihr Team aber unzufrieden ist, wird niemand werben. So simpel ist es.
So schnell wie möglich. 24 Stunden sind Obergrenze. Verzögerungen schaden Candidate Experience nachweislich. [6]
Eine Mitarbeiterkampagne ist kein Marketing-Spiel. Sie ist ein System-Spiel: Angebot, Botschaft, Strecke, Reichweite, Prozess, Bindung.
Wenn Sie das System bauen, gewinnen Sie Mitarbeiter planbar. Wenn Sie nur Maßnahmen machen, gewinnen Sie maximal Arbeit.