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Mitarbeiterkampagne: So gewinnen Sie Mitarbeiter planbar (statt „Wir suchen dich“-Lärm)

Wenn bei Ihnen Stellen offen sind, kennen Sie das Spiel: Sie posten was auf Social Media, schalten vielleicht ein bisschen Werbung, hoffen auf Bewerbungen – und am Ende kommt entweder nichts oder nur „Bodensatz“. Und während Sie noch diskutieren, ob Sie „mal eine Mitarbeiterkampagne starten“, hat der Wettbewerber im Umkreis schon die ersten Gespräche durch.

Mitarbeiterkampagne: Das Wichtigste am Anfang

Eine Mitarbeiterkampagne ist kein Post und auch kein „Ads testen“. Es ist ein System aus Angebot, Botschaft, Bewerbungsstrecke, Reichweite, Prozess und Bindung. Wenn ein Baustein fehlt, zahlen Sie Lehrgeld – jeden Monat.

  • Gewinnen Sie nicht „Bewerbungen“ – gewinnen Sie passende Gespräche. Der Rest ist Vanity.
  • Wenn Sie austauschbar werben, ziehen Sie austauschbare Kandidaten an. Logisch.
  • Speed entscheidet. 24 Stunden sind Obergrenze, nicht Ziel.
  • Ohne Tracking steuern Sie nicht. Dann ist „Markt“ nur ein schöner Begriff für Blindflug.
  • Referral (Mitarbeiter werben Mitarbeiter) ist Turbo – oder Brandbeschleuniger. Es verstärkt Ihre Kultur.
  • Die Kampagne endet nicht bei der Unterschrift. Entscheidend ist, ob die Person nach 90 Tagen noch da ist.

Wenn Sie nur eine Sache mitnehmen: Eine Kampagne gewinnt nicht der, der am schönsten wirbt – sondern der, der am saubersten liefert.

Inhaltsverzeichnis

Was eine Mitarbeiterkampagne ist (und was nicht)

Eine Mitarbeiterkampagne ist eine geplante, messbare Maßnahme, um Personal zu gewinnen. Punkt. Nicht „Employer Branding“. Nicht „wir posten mal was“. Nicht „wir machen mal ein Video“.

Damit Sie sauber denken, hier die drei Schubladen:

  • Recruiting-Kampagne: Ziel = Einstellungen. Kurzfristig, performance-orientiert.
  • Employer Branding: Ziel = Vertrauen & Bekanntheit. Mittel-/langfristig.
  • Mitarbeiter werben Mitarbeiter Kampagne (Referral): Ziel = Empfehlungen aus dem Team. Oft hohe Qualität, wenn Kultur stimmt.

Und jetzt der wichtigste Satz: Wenn Sie Recruiting messen, messen Sie bis zur Einstellung – und idealerweise bis zur Probezeit. Alles davor ist nur „Aktivität“.

„Und dann muss der Arzt wissen, was das Symptombild bedeutet, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, welche Ursachen es geben kann und dann Medikamente verschreiben oder Therapien verschreiben oder Gegenmaßnahmen einleiten. Und wir werden jetzt exakt dasselbe machen.“

Christian Wolfram (aus interner Arbeitslogik/Framework)

Genau so müssen Sie Ihre Kampagne betrachten: Symptom → Ursache → Therapie. Nicht „noch eine Anzeige“.

Warum Mitarbeiterkampagnen scheitern (in jeder Branche) – 9 typische Ursachen

Ich sage es hart, weil es stimmt: In 80% der Fälle scheitert die Kampagne nicht am Kanal, sondern am Fundament. Sie können den besten Traffic der Welt kaufen – wenn Ihre Strecke und Ihr Alltag Mist sind, kommt Mist raus.

Die 9 Klassiker, die ich ständig sehe:

  • Austauschbares Angebot: „Gutes Gehalt, tolles Team“ – klingt wie jeder.
  • Unklare Rolle: „Mitarbeiter gesucht“ – ja, aber welche Schicht, welche Aufgaben, welche Qualifikation?
  • Zu viel Reibung: Lebenslaufpflicht, zehn Felder, drei Seiten – und dann wundern Sie sich über Abbruch.
  • Kein Speed: Bewerbungen liegen 2–5 Tage rum. In der Zeit ist der Kandidat woanders.
  • Keine Vorqualifizierung: Alles wird „zum Gespräch“ eingeladen – Chaos, No-Shows, Frust.
  • Keine Beweise: Versprechen ohne System („bei uns springst du nicht ein“) – Kommentarspalte brennt.
  • Falsches Creative: Hochglanz statt Klartext – Sie werden weggewischt.
  • Keine Messung: Klicks und Bauchgefühl. Keine Quelle → Einstellung.
  • Bindung ignoriert: Sie „stellen ein“ – und verlieren nach 6–12 Wochen wieder.

Aus meiner Erfahrung ist der teuerste Denkfehler dieser: „Wir brauchen mehr Bewerbungen.“ Nein. Sie brauchen mehr passende Gespräche – und mehr passende Einstellungen, die bleiben.

„Wenn man so wirbt, zieht man zwangsläufig nur die ‚Bodensatz-Bewerber‘ an, die sich überall bewerben, aber nichts können. Echte Fachkräfte ignorieren Standard-Werbung; sie reagieren nur auf Authentizität und Werte.“

Christian Wolfram (Prinzip: Differenzierung statt 08/15)

Das gilt nicht nur in der Pflege. Das gilt im Handwerk genauso wie in der Logistik, Produktion oder IT: Standard zieht Standard an.

Aktiv Suchende vs. passiv Wechselwillige: Wen erreichen Sie womit?

Viele Kampagnen sind schwach, weil sie an einer simplen Realität vorbeilaufen: Es gibt zwei Arten von Kandidaten.

  • Aktiv Suchende: Die Person will jetzt wechseln. Die googelt, klickt Jobbörsen, schreibt Bewerbungen.
  • Passiv Wechselwillige: Die Person ist genervt, müde, unzufrieden – aber sucht nicht aktiv. Noch nicht.

Und jetzt kommt die Logik dahinter: Jobbörsen und Google fangen aktiv Suchende ab. Social Media und gutes Creative erzeugen Wechsel-Impulse bei passiven Kandidaten. Deshalb ist „entweder Social oder Google“ meistens die falsche Frage.

„… dann gibt es auch nur einen kleinen Anteil der Leute, die jetzt aktiv ein Problem haben, während der Rest eher so passiv das Problem hat. Und nur die Aktiven werden überhaupt an der Stelle positiv reagieren, weil die Aktiven jetzt gerade eine Problemlösung suchen.“

Christian Wolfram (Grundprinzip: Aktiv vs. Passiv)

Übersetzt: Wenn Sie nur aktiv Suchende bespielen, lassen Sie den größeren Pool liegen. Wenn Sie nur passiv bespielen, lassen Sie die „Ich will jetzt wechseln“-Leute liegen. Beides sauber zu kombinieren ist der Hebel.

Mini-Beispiel (Schichtbetrieb): Ob Pflege, Produktion oder Logistik – Wechselimpulse entstehen oft nach einer harten Schicht. Genau dann muss Ihre Botschaft im Feed auftauchen und sagen: „Bei uns ist das anders – konkret so.“

Das, was niemand sonst sagt: Creatives sind das neue Targeting

Früher haben viele geglaubt, man „targetiert sich“ den Erfolg zusammen: Interessen hier, Jobtitel da, Lookalikes, fertig. Das funktioniert heute deutlich schlechter – weil Plattformen immer stärker automatisiert ausspielen.

Die Konsequenz ist brutal simpel: Ihr Creative (Bild/Video/Text) entscheidet, wen der Algorithmus findet. Nicht Ihr Wunschdenken.

„… und das Ganze wird wie eine Art Prompt aufgefasst, der an die KI abgegeben wird und die KI schaut dann, welche Leute könnte das interessieren.“

Christian Wolfram (Prinzip: Creative als Signal)

Das ist auch der Grund, warum „eine Anzeige“ selten reicht. Sie brauchen eine Creative-Bibliothek, die verschiedene Motive testet. Und zwar nicht random – sondern nach System.

Wer das technisch tiefer nachlesen will: Meta beschreibt mit „Andromeda“ sehr offen, wie stark Personalisierung und Ausspielung über ML/Retrieval laufen. [1] Sie müssen dafür kein Data Scientist sein. Sie müssen nur verstehen: Der Algorithmus kann nur finden, was Sie ihm als Signal geben.

12 Creative-Winkel, die in fast jeder Branche funktionieren

Damit Sie nicht wieder „Wir suchen dich“ posten, hier Winkel, die Kandidaten wirklich triggern:

  • Alltag besser: Dienstplan/Arbeitszeiten/Schichten planbar – konkret wie?
  • Führung schützt: klare Regeln bei Überstunden, Kundenstress, Eskalation.
  • Team & Kultur: „So läuft’s bei uns“ – ungeschminkt, echt.
  • Stress raus: weniger Einspringen / weniger Chaos / klare Übergaben / klare Zuständigkeiten.
  • Geld ehrlich: „Du bekommst X bis Y – plus konkrete Zuschläge.“
  • Standort: kurze Wege, Parkplatz, ÖPNV, Startzeiten (unterschätzt!).
  • Arbeitsmittel: moderne Tools/Maschinen/Software – spart Nerven.
  • Einarbeitung: „Die ersten 14 Tage sehen so aus.“
  • Weiterentwicklung: echte Perspektiven, nicht „wir fördern dich“.
  • Sicherheit: unbefristet, klare Stunden, verlässliche Vertragslogik.
  • Stolz/Identität: „Wofür wir stehen“ – aber ohne Imagefilm-Gelaber.
  • Filter: „Nur wenn du X kannst / X willst.“ Qualität rein, Müll raus.

Das ist der Unterschied zwischen Werbung und Recruiting: Recruiting muss filtern. Sonst kaufen Sie sich nur Arbeit.

Das Kampagnen-System in 7 Bausteinen (der Ablauf, der wirklich funktioniert)

Wenn Sie Mitarbeiter planbar gewinnen wollen, brauchen Sie diese sieben Bausteine. In dieser Reihenfolge. Sonst wird’s wieder Aktionismus.

Baustein 1: Angebot, das nach Alltag klingt (nicht nach Benefits-Liste)

Kandidaten stellen innerlich eine einzige Frage: „Wird mein Alltag besser – oder nur anders schlimm?“

Wenn Sie das Angebot formulieren, schreiben Sie Regeln statt Floskeln:

  • Arbeitszeiten: „Schichten stehen bis zum X. – Änderungen nur mit Rücksprache.“
  • Überstunden: „Überstunden werden bezahlt oder innerhalb von X Tagen abgebaut – feste Regel.“
  • Belastung: „Max. X Aufgaben pro Schicht / klare Zuständigkeiten.“
  • Führung: „Eine Ansprechperson, klare Eskalation, kein Alleingelassenwerden.“

Und ja: Der berühmte Obstkorb zieht niemanden mehr. Wenn Sie ernsthaft gewinnen wollen, müssen Sie Arbeitsrealität verbessern oder ehrlich adressieren.

Baustein 2: Positionierung in 10 Sekunden (damit Sie nicht austauschbar sind)

„Mitarbeiter gesucht“ ist keine Positionierung. Das ist ein Hilferuf.

10-Sekunden-Formel:

  • Rolle: Wen suchen Sie genau? (nicht „Mitarbeiter“, sondern z. B. „Elektriker im Kundendienst“)
  • Alltagsvorteil: Was wird konkret besser?
  • Beweis: Woran merkt man’s in Woche 1?

Beispiel (neutral, aber stark): „Bei uns sind deine Zeiten planbar, weil wir Schichttausch und Ausfälle über ein festes System lösen. Du merkst das ab Woche 1.“

Baustein 3: Infrastruktur (Karriereseite, 60-Sekunden-Bewerbung, Tracking)

Hier verlieren die meisten – nicht, weil sie doof sind, sondern weil sie es unterschätzen. Sie können nicht erwarten, dass jemand nach Feierabend drei Formulare ausfüllt.

Die 60-Sekunden-Bewerbung braucht am Anfang nur diese Felder:

  • Name
  • Telefon
  • Qualifikation / Erfahrung (Dropdown reicht)
  • Arbeitszeitwunsch (VZ/TZ/Schicht/Nacht)
  • Startzeitpunkt

Alles andere klären Sie im Gespräch. Je mehr Reibung, desto mehr Abbruch.

Und Tracking ist Pflicht: Quelle → Bewerbung → Gespräch → Einstellung → (optional) 90 Tage. Ohne das steuern Sie nicht.

Baustein 4: Creative-Bibliothek (statt „eine perfekte Anzeige“)

In unserer Arbeit mit Kunden sehen wir oft: Sobald drei Creatives laufen, die alle gleich klingen, kommt ein Ergebnis – und dann stagniert es. Nicht, weil „der Markt leer ist“, sondern weil Sie dem Algorithmus nichts Neues geben.

Regel aus der Praxis: lieber 10 ehrliche Creatives testen als 1 Hochglanz-Masterpiece.

Baustein 5: Kanal-Mix (Social, Google, Referral, Offline)

  • Social (Meta/Instagram/TikTok): erzeugt Wechselimpuls + Reichweite bei passiven Kandidaten.
  • Google: fängt aktive Suchende ab („Job + Stadt“, „Arbeit in …“).
  • Referral: Qualität, wenn Kultur stimmt (siehe später).
  • Offline: lokale Präsenz (Bus/Plakat/Radio/Sponsoring) – sinnvoll, wenn digital sitzt und Sie regional dominieren wollen.

Wichtig: Offline ist selten der beste Start. Aber wenn Sie lokal omnipräsent sein wollen, kann es als Verstärker funktionieren. Nur bitte nicht als Ersatz für ein kaputtes System.

Baustein 6: Prozess (Speed, Vorqualifizierung, Terminführung)

Wenn Sie hier stark sind, können Ihre Anzeigen mittelmäßig sein – und Sie stellen trotzdem ein. Wenn Sie hier schwach sind, kann Ihre Werbung perfekt sein – und Sie verbrennen Budget.

Speed-Regel: Kontakt innerhalb von 24 Stunden. Besser: am selben Tag.

Forschung stützt das grundsätzlich: Verzögerungen in der Kommunikation verschlechtern Candidate Reactions und Outcomes. [6] Auch schnellere Angebote werden häufiger angenommen. [7]

Vorqualifizierung (10 Minuten), die Ihnen Wochen sparen:

  • Kann die Person die Rolle wirklich? (Erfahrung/Skill)
  • Passt Arbeitszeit/Schichtmodell?
  • Start & Kündigungsfrist?
  • Standort/Anfahrt realistisch?
  • Ein KO-Kriterium? (z. B. Führerschein, Sprache, Zertifikat)

Und ja: Machen Sie das freundlich. Aber machen Sie es klar. Sie wollen nicht „nett wirken“. Sie wollen einstellen.

Baustein 7: Bindung (die Kampagne endet nicht mit der Unterschrift)

Die härteste Wahrheit: Wenn die Person nach 8 Wochen wieder geht, war Recruiting nicht erfolgreich. Dann haben Sie nur „eingestellt“ – und wieder verloren.

In unserer Arbeit sehen wir genau hier den größten Hebel: gutes Onboarding, klare Erwartungen, echte Führung in den ersten 30 Tagen. Das ist kein „HR-Thema“. Das ist Business.

„… dann stelle ich ab ja für den Rest hat man sechs Monate Probezeit in der man sich kennenlernen kann …“

Christian Wolfram (Prinzip: Probezeit ist beidseitige Realität)

Mitarbeiter werben Mitarbeiter Kampagne: So bauen Sie ein Programm, das läuft

Eine Mitarbeiter werben Mitarbeiter Kampagne ist oft die beste Quelle für Qualität. Warum? Weil gute Leute selten schlechte Leute empfehlen. Und weil Referrals oft schneller Vertrauen aufbauen.

Studien zeigen regelmäßig Vorteile bei Referrals (z. B. Retention/Performance) – aber auch: Die Ausgestaltung (Bonus, Regeln) beeinflusst Effekte. [3] [4] [5]

Wichtig, bevor wir über Prämien reden:

  • Referral verstärkt Kultur. Wenn der Laden brennt, empfiehlt niemand freiwillig.
  • Referral ist kein Ersatz für gutes Angebot. Es ist ein Turbo, kein Pflaster.

Teil 1: Regeln, damit es nicht ausartet

Wenn Sie es „locker“ machen, wird es chaotisch. Regeln schaffen Fairness:

  • Wer darf werben? alle Festangestellten? ab Ende Probezeit?
  • Was zählt als „neu“? nicht schon im Prozess / nicht vorher beworben
  • Wann wird gezahlt? bei Vertragsunterschrift oder nach 3 Monaten (empfohlen: gestaffelt)
  • Wie wird getrackt? Feld „Empfohlen von“ im Formular + interner Abgleich
  • Missbrauchsschutz: doppelte Nennungen, „Kumpel beworben“ – klare Regel

Teil 2: Prämien-Design (Geld ist nicht automatisch smart)

Viele zahlen einfach 500 oder 1.000 Euro „auf die Hand“ und wundern sich, wenn Payroll die Augen verdreht. In Deutschland sind Werbeprämien in der Regel steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn. [8] [9]

Heißt nicht, dass Sie es nicht machen sollen. Heißt nur: Planen Sie es sauber (und sprechen Sie mit Steuerberater/Lohnbüro).

Praxis-Modelle, die funktionieren:

  • Staffel: 300 € bei Start + 700 € nach 3 Monaten (reduziert „kurz rein, kurz raus“)
  • Sachbezug: monatlicher 50-€-Sachbezug als Benefit-Baustein (Regeln beachten) [10]
  • Teambonus: bei erfolgreicher Besetzung bekommt das Team ein gemeinsames Budget (kann Kultur stärken)

Noch einmal: Das ist keine Steuerberatung. Aber wenn Sie Referral ernst nehmen, nehmen Sie Payroll ernst.

Teil 3: Interne Vermarktung – ja, auch das ist eine Kampagne

Das Programm „existiert“ nicht, nur weil es im Intranet steht. Es lebt, wenn Sie es wie ein Produkt launchen.

  • Kickoff im Team: 10 Minuten, klare Regeln, klare Beispiele.
  • Vorlagen: WhatsApp-Text, Insta-Story, Aushang (1 Minute nutzbar).
  • Reminder: alle 4–6 Wochen (kurz, nicht nervig).
  • Beweise: „X wurde empfohlen und ist jetzt da“ (Storytelling intern).

KPIs: Die 10 Zahlen, die eine Mitarbeiterkampagne wirklich lenken

Sie brauchen kein KPI-Theater. Sie brauchen Steuerbarkeit.

  • Time-to-first-contact: mediane Zeit bis Erstkontakt (Ziel: < 24h, besser < 4h)
  • Conversion Formular → Gespräch: wie viele Bewerbungen werden zu Terminen?
  • Showrate Gespräch: wie viele erscheinen wirklich?
  • Qualifizierungsquote: wie viele sind grundsätzlich passend?
  • Offer-Acceptance-Rate: wie viele sagen am Ende Ja?
  • Time-to-hire: Bewerbung → Vertrag (Ziel: Tage, nicht Wochen)
  • Cost per hire: Kosten pro Einstellung (nicht pro Bewerbung)
  • Source of hire: welcher Kanal bringt Einstellungen?
  • 90-Tage-Quote: wie viele sind nach 90 Tagen noch da?
  • Reputation-Signale: Bewertungen/Kommentare/Absprungraten (Frühwarnsystem)

Wenn Sie nur Klicks reporten, reporten Sie Beschäftigung. Wenn Sie Einstellungen reporten, reporten Sie Ergebnis.

Budget & Zeitplan: Was realistisch ist (und was Marketing-Gelaber ist)

„Was kostet eine Mitarbeiterkampagne?“ Kommt drauf an – aber nicht so, wie die meisten denken.

Sie bezahlen immer zwei Dinge:

  • Setup: Angebot/Botschaft, Landingpage/Formular, Tracking, Creatives, Prozess.
  • Ausspielung: Mediabudget (Social/Google) + ggf. Tools.

Aus meiner Erfahrung ist der häufigste Fehler: Man spart am Setup und verheizt dann Budget.

Realistische Timeline (wenn Sie es ernst meinen):

  • Woche 1–2: Fundament + Strecke + Tracking + erste Creatives
  • Woche 3–4: Tests, Lernphase, Vorqualifizierung, Terminführung
  • Woche 5–8: Stabilisieren, Creative-Bibliothek ausbauen, Kanal-Mix optimieren

Ja, es kann sein, dass erste Bewerbungen schnell kommen. Aber Qualität und Planbarkeit entstehen, wenn der Prozess sitzt.

30–60–90 Tage Plan: Ihr Fahrplan zum Nachbauen

Tag 1–30: Fundament (ohne das alles andere Müll ist)

  • Angebot in Klartext: Alltag, Regeln, Beweise, Grenzen.
  • Positionierung: Rolle + Alltagsvorteil + Beweis.
  • Infrastruktur: 60-Sekunden-Bewerbung + Tracking live.
  • Prozess: Zuständigkeit, Slots, Speed-Regel, Vorqualifiz-Fragen.

Tag 31–60: Pipeline (jetzt erst skalieren)

  • Creative-Bibliothek: 8–12 Winkel testen.
  • Kanal-Mix: Social (Impuls) + Google (aktive Suche) kombinieren.
  • Termin-Showrate: Reminder/Scripts, klare Next Steps.

Tag 61–90: Skalierung & Qualität (Einstellungen, die bleiben)

  • Optimieren nach Einstellungen: nicht nach Klicks.
  • Referral-Programm launchen: Regeln + Kommunikation + Tracking.
  • 90-Tage-Qualität: Onboarding/Probezeit als KPI aufnehmen.

FAQ

Ist eine Mitarbeiterkampagne nur Social Media Werbung?

Nein. Social kann ein Teil sein. Aber ohne Angebot, Bewerbungsstrecke und Prozess wird Social nur ein Lautsprecher für Ihr Chaos.

Was ist besser: Social oder Google?

Social erzeugt Wechselimpuls (passive Kandidaten). Google fängt aktive Suche ab. Wer nur eins macht, lässt Potenzial liegen.

Warum kommen „schlechte Bewerbungen“?

Meistens wegen 08/15-Botschaft ohne Filter, zu breiter Ansprache und fehlender Vorqualifizierung. Wenn Ihre Anzeige wie jede zweite aussieht, bekommen Sie die Leute, die sich überall bewerben.

Funktioniert „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ wirklich?

Ja – wenn Kultur und Arbeitsrealität stimmen. Studien zeigen häufig bessere Ergebnisse bei Referrals. [3] [5] Wenn Ihr Team aber unzufrieden ist, wird niemand werben. So simpel ist es.

Wie schnell muss ich reagieren?

So schnell wie möglich. 24 Stunden sind Obergrenze. Verzögerungen schaden Candidate Experience nachweislich. [6]

Fazit

Eine Mitarbeiterkampagne ist kein Marketing-Spiel. Sie ist ein System-Spiel: Angebot, Botschaft, Strecke, Reichweite, Prozess, Bindung.

Wenn Sie das System bauen, gewinnen Sie Mitarbeiter planbar. Wenn Sie nur Maßnahmen machen, gewinnen Sie maximal Arbeit.

Quellen

  1. Meta Engineering – Andromeda (Ad Retrieval / Personalisierung): engineering.fb.com
  2. ECONtribute Discussion Paper – Effekte von Referral Programs (Retention/Mechanismen): PDF
  3. IZA Discussion Paper – The Value of Hiring through Referrals (Performance/Profitabilität): PDF
  4. SHRM – Employee Referrals (Praxis/Einordnung): shrm.org
  5. Cambridge – Communication Delays & Candidate Reactions: cambridge.org
  6. Job Offer Timing & Offer Acceptance (Studienbefund): researchgate.net
  7. Haufe – Werbeprämie (Lohnsteuer/SV): haufe.de
  8. Personalwissen – Prämie für Mitarbeiterwerbung (Abrechnung/Einmalzahlung): personalwissen.de
Autor
Christian Wolfram
Gründer & Geschäftsführer bei Wolfram Digital
Christian Wolfram verbindet praktische Pflegeerfahrung mit fundierter psychologischer Expertise. Als gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger und Absolvent der Psychologie (B.Sc.) kennt er die Engpässe der Branche genau.
Dieses Wissen nutzt er, um Pflegeunternehmen mit gezielten digitalen Strategien bei der Mitarbeitergewinnung und dem Aufbau einer starken Arbeitgebermarke zu unterstützen.
Er blickt auf langjährige Erfahrung im digitalen Recruiting (seit 2018) sowie Online-Marketing (seit 2015) zurück.