Pflege-Influencer: Was dahintersteckt – und was es Pflegeeinrichtungen wirklich bringt
Sie haben „Pflege Influencer“ gegoogelt, weil Sie vermutlich eins von zwei Dingen wollen:
Orientierung (wer ist das?) oder Nutzen (was bringt mir das?).
Sie bekommen beides. Ohne Buzzword-Bingo. Mit Pflege-Realität.
Das Wichtigste in Kürze
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Pflege-Influencer sind keine „Deko“. Sie füllen eine Transparenz-Lücke – weil viele Arbeitgeber online austauschbar wirken.
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Social Media ist längst Massenmedium. Laut ARD/ZDF-Medienstudie (Presse, 2025) nutzen 63% der Bevölkerung Social Media regelmäßig.
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Für Einrichtungen gilt: Reichweite ist nett – aber Vertrauen + Prozess gewinnen Bewerbungen. Ohne klare Landingpage und schnelle Rückmeldung verpufft alles.
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Corporate Influencer schlagen oft „Star einkaufen“. 2–4 echte Gesichter + Guidelines + sauberer Bewerbungsweg sind skalierbar.
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Die größte Gefahr ist nicht „Shitstorm“. Die größte Gefahr ist: Sichtbarkeit macht Chaos sichtbar – Dienstplanung, Führung, Kultur.
Inhaltsverzeichnis
Warum Pflege-Influencer gerade explodieren
Pflege ist emotional. Und gleichzeitig knallhartes Alltagsthema.
Wir wissen alle, wie das aussieht: Ein Ausfall. Zwei Kolleg:innen kompensieren. Die Übergabe wird hektischer. Und am Ende zahlt das Team.
Parallel passiert online etwas anderes: Angehörige, Azubis, Pflegekräfte und Öffentlichkeit wollen verstehen, wie Pflege wirklich ist – ohne PR-Filter.
Und das betrifft nicht „nur junge Leute“:
- In Deutschland waren Ende 2023 knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig (SGB XI).
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- Social Media wird regelmäßig von einem großen Teil der Bevölkerung genutzt – Sichtbarkeit ist also kein Nischenproblem.
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Pflege-Influencer sind oft einfach die Leute, die diese Lücke schließen: Sie zeigen Alltag, erklären Fachliches, beziehen Stellung. Dadurch entsteht Vertrauen – und genau das fehlt vielen Arbeitgeberauftritten.
Was ist ein Pflege-Influencer – und was ist es nicht?
Ein Pflege-Influencer ist keine Werbefigur und auch kein „Model im Kasack“.
Im Kern ist ein Pflege-Influencer:
- eine Person (oder ein Team) aus dem Pflegekontext,
- die regelmäßig Inhalte teilt (Alltag, Ausbildung, Fachlichkeit, Haltung),
- und dadurch Vertrauen aufbaut – bei Pflegekräften, Azubis, Angehörigen, Öffentlichkeit.
Was er nicht ist:
- Kein Ersatz für gute Führung, Dienstplanung und Einarbeitung.
- Kein Recruiting-Hack, der automatisch Bewerbungen produziert.
- Keine Freifahrkarte für sensible Inhalte. Pflege ist kein Entertainment auf Kosten anderer.
Pflege-Influencer auf Instagram & TikTok: Was wirklich funktioniert
Viele Einrichtungen posten „schöne Bilder“ und wundern sich, warum nichts passiert.
Der Grund ist simpel: Menschen stoppen bei Echtheit und bleiben bei Wiedererkennbarkeit. Nicht bei Hochglanz.
Die 5 Content-Säulen, die in der Pflege fast immer funktionieren
- Alltag: Schichtstart, Übergabe, „Was heute wirklich nervt“ – ohne Patient:innen zu zeigen.
- Fachlichkeit: 1 Thema, 45–60 Sekunden. Ein Punkt. Kein Vorlesungsmodus.
- Ausbildung: Praxisanleitung, Lernmomente, Prüfungsstress, „Was ich gern früher gewusst hätte“.
- Team & Kultur: Kommunikation, Konfliktlösung, Unterstützung im Stress.
- Haltung: Wofür stehen wir – und wofür nicht?
Wichtig: Reichweite ist nur die Vorderseite. Die Rückseite ist der Prozess. Wenn es keinen klaren Weg zur Bewerbung/Anfrage gibt (Landingpage, Ansprechpartner, schnelle Rückmeldung), wird’s Content ohne Ergebnis.
Pflege-Influencer Deutschland: Beispiele (Rashid, John, Helios)
Viele Artikel listen Namen. Ich gehe einen Schritt weiter: Was können Sie daraus ableiten?
Rashid Hamid (@pflege.smile): Storytelling, Nähe, Menschlichkeit
Rashid Hamid ist für viele Menschen der Einstieg ins Thema „Pflege-Influencer“. Er hat auch Bücher veröffentlicht, die seine Geschichten und Erfahrungen aufnehmen.
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Profil/Beispiel: Instagram @pflege.smile
[7]
John Victor Lopes (@johnfit_praxisanleiter): Ausbildung + Berufsstolz als Magnet
John Victor Lopes wird stark mit Praxisanleitung/Ausbildung assoziiert. Genau das ist spannend: Ausbildung ist einer der stabilsten Hebel, wenn Sie Fachkräfte langfristig binden wollen.
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Profil/Beispiel: Instagram @johnfit_praxisanleiter
[9]
Helios: Corporate-Influencer als System (nicht als Zufall)
Helios zeigt ein Muster, das viele kleinere Träger unterschätzen: Sichtbarkeit wird als Programm gedacht, nicht als „macht mal jemand nebenbei“.
Beispiel: Helios „PFLEGEhautnah“
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Pflege-Influencer Österreich: kurzer Überblick
Auch in Österreich gibt es Pflege-Creator und Corporate-Ansätze. Die Mechanik ist ähnlich: Alltag + Haltung + Community.
Wenn Sie als Einrichtung in AT aktiv sind: Die zentrale Frage bleibt dieselbe wie in Deutschland: Wie transparent sind Sie wirklich?
Pflege-Influencer Buch: Warum Creator plötzlich Autoren sind
Viele Creator veröffentlichen Bücher. Das hat einen simplen Grund: Social Media ist schnell – Bücher sind tief.
Ein Beispiel ist Rashid Hamid mit „Freundschaft kennt kein Alter“.
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Für Einrichtungen ist das ein Signal: Menschen wollen Kontext. Genau dieser Kontext fehlt oft in Stellenanzeigen und Karriere-Seiten.
Regeln, Risiken & No-Gos (der Teil, den Listenartikel auslassen)
Wenn Sie Social Media in der Pflege ernst nehmen, müssen Sie zwei Dinge gleichzeitig können:
- mutig genug sein, echten Alltag zu zeigen
- professionell genug sein, Grenzen sauber zu ziehen
DBfK (Nordwest) bringt es gut auf den Punkt:
„Die große Mehrheit handelt hochprofessionell, reflektiert und im Sinne der ihr anvertrauten Menschen.“
Quelle: DBfK Nordwest (Pressemitteilung, 21.01.2026)
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Gleichzeitig gibt es berechtigte Diskussionen um „digitale Grenzverletzungen“. Deshalb brauchen Sie als Einrichtung klare Spielregeln.
Der 20-Sekunden-Check: „Darf ich das posten?“
- Ist jemand identifizierbar? (Gesicht, Stimme, Name, Zimmerdetails, Doku im Hintergrund) → Wenn ja: nein.
- Würde ich das als Angehöriger okay finden? → Wenn nein: lassen.
- Ist es Pflege-Aufklärung oder Entertainment auf Kosten anderer? → Wenn zweifelhaft: lassen.
- Gibt es rechtliche/ethische Risiken? Persönlichkeitsrecht, Urheber-/Lizenzrecht, wertschätzender Ton – der DBfK nennt diese Punkte explizit als Rahmen.
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Für Pflegeeinrichtungen: Corporate Influencer richtig aufbauen
Wenn Sie als Einrichtung das Thema nutzen wollen, dann bitte nicht so: „Wir machen jetzt auch TikTok.“
So ist es sauber:
Schritt 1: 2–4 Gesichter wählen (freiwillig, nicht „abkommandiert“)
- jemand aus der Praxis (Pflegefachperson)
- optional: Praxisanleitung/Ausbildung
- optional: Leitung (aber bitte menschlich – nicht Pressetext)
Schritt 2: Content-Säulen & rote Linien definieren
- 3–5 Themen, die man immer wieder spielt (Alltag, Ausbildung, Team, Fachlichkeit, Haltung)
- klare No-Gos (Sensible Inhalte, Identifizierbarkeit, Doku, entwürdigende Situationen)
- ein einfacher Freigabeprozess (damit niemand im Stress „aus Versehen“ Mist postet)
Schritt 3: Die Brücke ins Recruiting (sonst kaufen Sie nur Aufmerksamkeit)
- Landingpage je Zielrolle (nicht „Karriere“-Startseite)
- klarer CTA (Kontakt / Kennenlernen / Schnellbewerbung)
- Zuständigkeit + Reaktionszeit (wer antwortet wann?)
Aus meiner Erfahrung: Viele Einrichtungen sind nicht „zu schlecht“ für Social Media – sie sind zu langsam im Prozess. Und dann verpufft alles.
Kooperationen: So wird’s nicht cringe
Kooperationen mit Pflege-Influencern können funktionieren. Aber nur, wenn Sie verstehen, wie Vertrauen entsteht.
So sieht ein gutes Setup aus
- Briefing klar: Zielgruppe, Botschaft, No-Gos, Rahmen
- Creator-Freiheit: Ton & Story beim Creator lassen (sonst wirkt’s wie Anzeige)
- Transparenz: Kennzeichnung sauber, Erwartung klar
- Prozess: Landingpage/CTA steht, sonst kaufen Sie Reichweite ohne Wirkung
3 typische Fehler
- Sie kaufen „ein Posting“ statt ein Konzept.
- Sie liefern Buzzwords statt echte Beweise (Dienstplanung, Einarbeitung, Teamstruktur).
- Sie sind im Bewerbungsprozess langsam.
Für Pflegefachpersonen: So starten Sie, ohne sich zu verheizen
Falls Sie das als Pflegekraft lesen und überlegen zu starten: Machen Sie es nicht „für Reichweite“. Machen Sie es für Klarheit.
Start-Setup (simpel, aber wirksam)
- 1 Thema wählen: Ausbildung, ambulant, stationär, Demenz, Intensiv – irgendwas, das Sie wirklich kennen.
- 1 Format wählen: 60 Sekunden Real Talk oder 3 Tipps pro Woche.
- 1 Grenze setzen: Was posten Sie nie? (und halten Sie sich dran)
- 1 Routine: lieber 2x pro Woche konstant als 14 Tage Vollgas und dann Funkstille.
Und ganz ehrlich: Schützen Sie sich. Hate, Entgrenzung, „immer online“ – das ist real. Pflege ist schon anstrengend genug.
Das, was niemand sonst sagt: Influencer sind ein Verstärker – kein Heilmittel
Viele Einrichtungen hoffen insgeheim: „Wenn wir sichtbarer sind, wird alles leichter.“
Teilweise stimmt das. Aber hier ist die harte Wahrheit:
Influencer machen nicht nur das Gute sichtbar. Sie machen auch Chaos sichtbar.
Wenn Dienstplanung wild ist, Führung schwankt und Einarbeitung „läuft irgendwie“, wird Sichtbarkeit zum Bumerang.
Provokante These (Diskussionsanstoß):
„Es gibt keinen Fachkräftemangel in der ambulanten Pflege.“
Quelle: LinkedIn-Beitrag von Marcel Schmikale
[10]
Ob man diese These 1:1 teilt oder nicht: Der Kern dahinter ist für Marketing und Recruiting entscheidend.
- Wenn Ihr System gut ist (Dienstplanung, Führung, Einarbeitung), verstärkt Social Media das Gute.
- Wenn Ihr System schlecht ist, verstärkt Social Media das Schlechte. Dann hilft keine Reichweite.
FAQ: Häufige Fragen zu „Pflege Influencer“
Was ist ein Pflege-Influencer?
Eine Person (oder ein Team) aus dem Pflegekontext, die/der regelmäßig Inhalte teilt (Alltag, Ausbildung, Fachlichkeit, Haltung) und dadurch Vertrauen aufbaut.
Welche Pflege-Influencer gibt es in Deutschland?
Oft gesucht werden u. a. Rashid Hamid (@pflege.smile) und John Victor Lopes (@johnfit_praxisanleiter).
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[9]
Was bedeutet „Pflege Influencer Instagram“ konkret?
Instagram ist eine wichtige Plattform, weil Community, Reels und Storys zusammenkommen. Entscheidend ist aber nicht die Plattform – sondern Alltag + Wiederholung + klare Grenzen.
Was hat Helios mit Pflege-Influencern zu tun?
Helios zeigt Pflege über ein eigenes Format systematisch und schafft damit eine Corporate-Influencer-Logik im großen Stil.
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Fazit: Sichtbarkeit ohne System ist eine Einladung zum Frust
Pflege-Influencer sind nicht „die Lösung“. Sie sind ein Hebel.
Wenn Sie als Einrichtung das Thema nutzen wollen, bauen Sie es als Programm: Gesichter, Guidelines, Content-Säulen, Prozess zur Bewerbung/Anfrage.
Und wenn Sie als Pflegekraft starten: machen Sie’s mit Haltung – und mit Schutz.
Quellen & öffentlich verlinkbare Empfehlungen
- ARD/ZDF-Medienstudie (Presse, 2025):
ZDF Presseportal – Befund „63% nutzen Social Media regelmäßig“
- Destatis – 5,7 Mio. Pflegebedürftige (Ende 2023):
Pressemitteilung
- DBfK Nordwest – Social Media & Grenzverletzungen (21.01.2026):
Pressemitteilung
- DBfK Positionspapier (März 2022) – „Umsichtiger Gebrauch von sozialen Medien im Pflegeberuf“:
PDF
- Helios – „PFLEGEhautnah“ (Corporate-Format):
Seite
- Rashid Hamid – Buch „Freundschaft kennt kein Alter“ (Verlagsseite):
Rowohlt
- Pflege Influencer Rashid Hamid – @pflege.smile:
Instagram-Profil
- Interview mit John Victor Lopes (Medwing):
„Ich will die Liebe zum Beruf zeigen“
- Pflege Influencer John – @johnfit_praxisanleiter:
Instagram-Profil
- These „Kein Fachkräftemangel ambulant“ (Diskussionsanstoß):
LinkedIn-Beitrag von Marcel Schmikale