Zeitarbeit: Vor- und Nachteile – für Arbeitnehmer & Arbeitgeber (inkl. Tabelle)
Zeitarbeit (Leiharbeit / Arbeitnehmerüberlassung) ist ein Thema, das sofort Emotionen auslöst. Bei Mitarbeitenden, die mehr Kontrolle wollen. Und bei Arbeitgebern, die am Monatsende auf eine Rechnung schauen und sich fragen: „Wie soll das langfristig gutgehen?“
Zeitarbeit: Das Wichtigste am Anfang
Wenn Sie nur drei Dinge mitnehmen, dann diese:
- Zeitarbeit ist selten „das Problem“. In vielen Betrieben ist sie ein Symptom: für Planungslücken, Führungsthemen, Überlastung oder fehlende Recruiting-Prozesse.
- Für Mitarbeitende kann Zeitarbeit ein Hebel sein. Mehr Flexibilität, oft besserer Stundenlohn, neue Teams – aber auch weniger Bindung und mehr Wechselstress.
- Für Unternehmen ist Zeitarbeit kein Ersatz für ein System. Kurzfristig hilft sie, Dienstpläne zu schließen. Langfristig kann sie das Stammteam „aushöhlen“, wenn die Ursachen bleiben.
- Rechnen Sie sauber – nicht emotional. Stundensatz allein sagt wenig. Entscheidend sind Einarbeitung, Produktivität, Ausfallrisiken, Fluktuation und Qualität.
- Rechtlich gibt es Leitplanken. Equal Pay ist im AÜG geregelt (mit tariflichen Spielräumen). Und die Überlassung ist zeitlich begrenzt bzw. tariflich modifizierbar.
Mein Blick als Christian Wolfram: Ich komme aus der Praxis (u. a. Pflege) und aus dem Recruiting/Marketing. Und genau deshalb sage ich: Wer Zeitarbeit nur „gut“ oder „schlecht“ nennt, hat es nicht verstanden.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Zeitarbeit eigentlich?
Zeitarbeit heißt offiziell Arbeitnehmerüberlassung. Sie haben drei Parteien:
- Verleiher (Zeitarbeitsfirma): stellt die Person an und zahlt Gehalt.
- Leiharbeitnehmer: arbeitet faktisch im Einsatzbetrieb.
- Entleiher (Einsatzbetrieb): „leiht“ die Person und zahlt eine Rechnung an den Verleiher.
Klingt simpel. Ist es im Alltag oft nicht. Weil hier nicht nur Arbeitsrecht dranhängt, sondern auch Kultur, Teamdynamik, Qualität und ganz banal: Planung.
Merksatz: Zeitarbeit ist ein Personal-Instrument. Kein Recruiting-Konzept. Wer sie dauerhaft braucht, hat meist ein Systemproblem – oder ein Geschäftsmodell, das bewusst auf Flex setzt.
Perspektive aus der Praxis: Recruiting & Organisationsarbeit (u. a. Sozial-/Pflegebetriebe)
Warum Zeitarbeit so polarisiert
Weil Zeitarbeit zwei Dinge gleichzeitig sein kann:
- Rettungsring, wenn Schichten sonst nicht besetzt werden.
- Brandbeschleuniger, wenn das Stammteam das Gefühl hat: „Wir halten den Laden – und andere kassieren mehr für dieselbe Arbeit.“
Und genau da wird’s emotional. Nicht, weil Menschen irrational sind. Sondern weil das Thema Fairness berührt.
Wenn Sie Arbeitgeber sind: Sie sehen Kosten, Druck, Ausfälle, Beschwerden.
Wenn Sie Arbeitnehmer sind: Sie sehen Freiheit, bessere Konditionen, weniger Abhängigkeit.
Beide Perspektiven sind real. Die Frage ist nur: Was machen Sie jetzt daraus?
Zeitarbeit Vor- und Nachteile: Tabelle (auf einen Blick)
Hier ist die schnelle Übersicht. Danach gehen wir tiefer rein – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer getrennt.
| Perspektive |
Vorteile |
Nachteile |
| Arbeitnehmer |
Häufig höherer Stundenlohn, mehr Flexibilität, Einblick in viele Betriebe, schneller Einstieg
|
Weniger Bindung/Planbarkeit, häufiger Wechsel, weniger Team-Zugehörigkeit, teils unsichere Einsätze
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| Arbeitgeber |
Schnelle Besetzung, flexible Kapazität bei Peaks, weniger Recruiting-Aufwand kurzfristig
|
Höhere laufende Kosten, Einarbeitung/Qualitätsschwankungen, Unruhe im Stammteam, Abhängigkeitsrisiko
|
| Branchen (z. B. Pflege/Erziehung) |
Akute Dienstplan-Sicherheit, Entlastung in Engpassphasen
|
Kontinuität/Beziehungsarbeit leidet, Übergaben & Qualität werden kritischer, Teamkonflikte häufiger
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Zeitarbeit: Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer
Wenn Sie über Zeitarbeit nachdenken, geht es im Kern um eine Frage:
Wollen Sie mehr Kontrolle über Ihren Arbeitsalltag – auch wenn Sie dafür häufiger wechseln müssen?
Die Vorteile (realistisch, nicht Werbeprospekt)
- Flexibilität: Sie können Einsätze, Branchen oder Schichten teilweise stärker steuern (je nach Anbieter).
- Oft bessere Konditionen: In vielen Bereichen ist Zeitarbeit für Mitarbeitende finanziell attraktiver – zumindest kurzfristig.
- Tempo: Schneller Einstieg, wenn Sie gerade wechseln oder neu starten wollen.
- Erfahrung: Sie sehen viele Systeme – und merken schnell, was für Sie funktioniert (und was nicht).
Die Nachteile (die man Ihnen selten so klar sagt)
- Wechselstress: Neue Teams, neue Regeln, neue Abläufe. Das kostet Energie.
- „Nicht ganz dazugehörig“: Manche Betriebe integrieren hervorragend. Andere behandeln Zeitarbeit wie „Durchlaufmaterial“.
- Planbarkeit hängt am Anbieter: Wie stabil sind Ihre Folgeeinsätze? Wie transparent wird geplant?
- Karriere/Weiterbildung: Je nach Modell kann Entwicklung leichter „nebenbei“ runterfallen, weil Sie ständig im Einsatz sind.
3 schnelle Selbsttests (wenn Sie ehrlich zu sich sind)
- Stress-Toleranz: Bringen Sie Wechsel gut weg – oder brauchen Sie Stabilität, um leistungsfähig zu bleiben?
- Lebensphase: Passt Flex gerade zu Ihrem Leben (z. B. Neustart, Übergang, Umzug) – oder brauchen Sie feste Routinen?
- Ziel: Nutzen Sie Zeitarbeit als Übergang (bewusst) oder als Dauerlösung (bewusst)? Beides ist ok – aber es ist nicht dasselbe.
Praxisbeobachtung: Viele wechseln in Zeitarbeit, weil sie nicht „mehr Geld“ suchen, sondern weniger Chaos. Wenn Sie heute ständig einspringen müssen, wirkt Zeitarbeit wie ein Ausweg. Die Frage ist nur: Löst sie Ihr Problem – oder verschiebt sie es?
Aus Gesprächen mit Mitarbeitenden (u. a. soziale Berufe, Pflege, gewerbliche Bereiche)
Zeitarbeit: Vor- und Nachteile für Arbeitgeber
Arbeitgeber nutzen Zeitarbeit oft aus einem Grund:
„Wir müssen den Betrieb am Laufen halten.“
Das ist legitim. Nur: Wenn Zeitarbeit vom Ausnahmefall zur Routine wird, kippt die Rechnung. Nicht nur finanziell – auch kulturell.
Die Vorteile (wenn Sie sie bewusst einsetzen)
- Geschwindigkeit: Sie bekommen kurzfristig Personal, wenn Sie es intern nicht schaffen.
- Flex bei Peaks: Saison, Großauftrag, Krankheitswelle – Zeitarbeit ist dafür gebaut.
- Risikopuffer: Sie testen Kapazität, ohne sofort langfristig einzustellen (je nach Branche/Modell).
Die Nachteile (die in der Praxis weh tun)
- Hohe laufende Kosten: Nicht nur Stundensatz. Sondern auch Einarbeitung, Fehlzeiten, Qualitätsstreuung.
- Team-Spannung: Wenn Stammkräfte „mehr tragen“ und Zeitarbeit „mehr bekommt“, entsteht Frust.
- Abhängigkeit: Wer Zeitarbeit dauerhaft braucht, bekommt ohne Gegenmaßnahmen kein stabiles Stammteam mehr aufgebaut.
- Qualitäts-/Prozessrisiko: Je komplexer die Arbeit, desto kritischer ist „heute hier, morgen dort“.
Und jetzt kommt der Punkt, den viele nicht hören wollen:
Wenn Zeitarbeit Ihr Standard ist, ist Ihre Arbeitgeberattraktivität meist nicht Ihr „Marketingproblem“ – sondern Ihr „Alltagsproblem“.
Auf unserer Seite zur Mitarbeitergewinnung sprechen wir das bewusst offen an: Ziel ist es, dass Sie ohne Zeitarbeitsfirmen die Versorgung/Leistung sicherstellen können – weil Sie einen stabilen Recruitingkanal und ein besseres System bauen.
[8]
Rechtliche Basics: AÜG, Equal Pay, Höchstüberlassung
Kein Paragrafen-Gewitter. Aber die Basics sollten Sie kennen – egal ob Sie Arbeitnehmer oder Arbeitgeber sind.
Hinweis: Das hier ist keine Rechtsberatung. Es ist eine verständliche Orientierung.
1) Equal Pay / Gleichstellung (Grundprinzip)
Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) ist der Grundsatz der Gleichstellung geregelt: Leiharbeitnehmer sollen im Einsatzbetrieb grundsätzlich die wesentlichen Arbeitsbedingungen (inkl. Entgelt) erhalten, die für vergleichbare Mitarbeitende gelten – mit tariflichen Abweichungsmöglichkeiten.
[1]
Wichtig in der Praxis: Tarifverträge in der Zeitarbeit und Branchenzuschläge spielen hier eine Rolle. Der DGB stellt aktuelle Tarifinfos inkl. Tabellen und Downloads bereit.
[2]
2) Höchstüberlassungsdauer: 18 Monate (mit tariflichen Spielräumen)
Grundsätzlich ist die Überlassung an denselben Entleiher zeitlich begrenzt (gesetzlich 18 Monate), Abweichungen sind per Tarifvertrag der Einsatzbranche möglich. Das BAG hat dazu mehrfach Stellung genommen.
[3]
3) Erlaubnis & illegale Überlassung
Zeitarbeit ist erlaubnispflichtig. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Anforderungen und Unterlagen für eine Erlaubnis.
[4]
Und: Illegale Arbeitnehmerüberlassung kann heftige Folgen haben (bis hin zur Fiktion eines Arbeitsverhältnisses mit dem Entleiher). Der Zoll erklärt das sehr klar.
[5]
Kosten & Wahrheit: Wie Sie Zeitarbeit wirklich kalkulieren
Der häufigste Fehler in Diskussionen über Zeitarbeit ist dieser:
„Zeitarbeit kostet X € pro Stunde – Ende.“
Nein. Die echte Frage ist:
Was kostet Sie die Stunde – nachdem Sie alles eingerechnet haben?
Die 6 Kostenblöcke, die Sie nicht ignorieren dürfen (Arbeitgeber)
- Stundensatz & Zuschläge (klar).
- Einarbeitung (Zeit von Stammkräften = versteckte Kosten).
- Produktivität (die ersten Tage/Wochen sind oft langsamer).
- Qualitätsrisiko (Fehlerkosten, Reklamationen, Nacharbeit).
- Teamkosten (Demotivation, Konflikte, Fluktuation).
- Opportunitätskosten (wenn Führung nur noch „Löcher stopft“, statt System zu bauen).
Wenn Sie ehrlich rechnen: Zeitarbeit ist oft nicht „zu teuer“. Sie ist zu dauerhaft. Und das ist ein Führungs- und Prozess-Thema – nicht nur ein Einkaufs-Thema.
System-Perspektive aus Organisations- & Recruitingprojekten
Wann Zeitarbeit finanziell trotzdem Sinn machen kann
- Peak-Phasen: Saison, Großauftrag, Projektgeschäft – wenn Sie es intern nicht abfedern können.
- Stabilisierung: Kurzfristig „Luft“ schaffen, während Sie parallel Recruiting/Retention reparieren.
- Test für Festanstellung: Wenn Sie Zeitarbeit bewusst als „Try & Hire“ einsetzen (sauber geregelt).
Sonderfall Pflege & Erziehung: Was hier anders ist
Das Keyword ist allgemein – aber zwei Bereiche werden in der Praxis besonders häufig diskutiert: Pflege und Erziehung.
Nicht weil Zeitarbeit dort „anders heißt“. Sondern weil der Kern der Arbeit anders ist:
Beziehungsarbeit, Kontinuität, Übergaben, Verantwortung.
Pflege: Wenn Übergaben knapp sind, wird Zeitarbeit schnell zum Risiko
In der Pflege entscheidet nicht nur „ob jemand da ist“, sondern wie gut der Ablauf steht:
Übergaben, Standards, Medikationsprozesse, Dokumentation, Teamkommunikation.
- Vorteil: Dienste werden besetzt, Belastung sinkt kurzfristig.
- Nachteil: Jeder Wechsel erhöht Komplexität. Und Komplexität frisst Sicherheit.
In unserer Arbeit hören wir in der Pflege sehr oft denselben Satz (sinngemäß):
„Wir können nicht noch mehr Wechsel verkraften – aber wir können auch keine Dienste offenlassen.“
Spannend ist dazu auch der öffentliche Diskurs, z. B. in Form von Podcast-Folgen aus der Branche.
(Beispiel: CareRockets hat Zeitarbeit in der Pflege als eigenes Thema diskutiert.)
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Erziehung: Kontinuität ist Teil der Qualität
In Kitas oder pädagogischen Settings ist „Einarbeitung“ nicht nur fachlich. Es geht um Beziehungen:
Kinder brauchen Verlässlichkeit. Teams brauchen Vertrauen. Eltern brauchen Ansprechpartner.
- Vorteil: Gruppen bleiben offen, Betreuung ist gesichert.
- Nachteil: Die Qualität leidet, wenn ständig neue Personen in Beziehungsarbeit springen.
Das, was kaum einer sagt: Zeitarbeit als Spiegel Ihres Systems
Jetzt der Teil, der vielen nicht gefällt – aber der Ihnen am meisten bringt.
Zeitarbeit zeigt Ihnen gnadenlos, wo Ihr System Löcher hat.
Wenn Sie als Arbeitgeber dauerhaft Zeitarbeit brauchen, dann passiert meist mindestens eins davon:
- Sie reagieren zu spät. Recruiting startet erst, wenn es brennt.
- Ihr Angebot ist unklar. Bewerbende wissen nicht, warum sie zu Ihnen wechseln sollen.
- Ihr Prozess ist langsam. Bewerbung heute, Rückruf nächste Woche – das war’s dann.
- Ihr Alltag frisst die Leute. Dienstplan, Einspringen, Führung, Belastung. Das sind Wechselgründe. Keine „Benefits“.
Konsequenz: Wenn Sie Zeitarbeit reduzieren wollen, müssen Sie nicht „besser verhandeln“. Sie müssen Ursachen lösen: Planung, Führung, Recruiting-System, Bindung.
Praxisblick aus Projekten zur Mitarbeitergewinnung (v. a. Sozial-/Pflegebetriebe)
Und noch etwas, das kaum jemand ausspricht:
Zeitarbeitsfirmen sind oft besser im Recruiting als ihre Kunden.
Warum? Weil sie es müssen. Sie haben Prozesse, Speed, Messaging, Funnel – und sie nehmen das Thema „Bewerbung“ ernst.
Viele Einsatzbetriebe dagegen machen Recruiting „nebenbei“. Und wundern sich, dass sie am Ende nur noch über Zeitarbeit stabil bleiben.
Alternativen zur Zeitarbeit (ohne schönzureden)
Zeitarbeit komplett zu verteufeln ist naiv. Sie komplett als Dauerlösung zu akzeptieren ist gefährlich.
Was Sie brauchen, ist ein Mix aus Stabilität und Flex – bewusst gebaut.
Alternative 1: Interner Flex-/Springerpool
Viele Unternehmen reduzieren Zeitarbeit spürbar, wenn sie intern einen Pool aufbauen:
Mitarbeitende, die freiwillig flexibel sind – mit klaren Regeln und sauberer Vergütung.
- Regel 1: Flexibilität wird bezahlt – nicht erwartet.
- Regel 2: Pool-Mitarbeitende haben echte Planung (kein „ruf ich mal an“).
- Regel 3: Pool ist Ergänzung – nicht Ausrede, um schlechte Planung zu kaschieren.
Alternative 2: Dienstplanung als System (nicht als Excel-Feuerwehr)
- Planungsvorlauf: Wann steht der Plan verbindlich?
- Ausfallmanagement: Wer entscheidet wie schnell – und nach welchen Regeln?
- Einspringen: Freiwilligkeit + klare Grenzen + klare Kompensation.
Alternative 3: Recruiting-Kanal aufbauen, der nicht von Glück abhängt
Wenn Sie Zeitarbeit reduzieren wollen, brauchen Sie Zufuhr. Planbar. Nicht „wenn mal jemand eine Anzeige sieht“.
Genau deshalb setzen wir (in unserem Kernbereich) auf digitale Recruiting-Kanäle mit klarer Bewerbungsstrecke, Speed und Tracking – damit Betriebe stabil einstellen können.
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Checkliste: Zeitarbeitsfirma auswählen (Arbeitgeber)
Wenn Sie Zeitarbeit nutzen (müssen), dann bitte nicht blind. Diese Fragen sparen Ihnen Ärger:
- Qualität: Wie wird vorqualifiziert? Welche Nachweise/Skills werden geprüft?
- Kontinuität: Können Sie dieselbe Person länger einsetzen – oder wird ständig gewechselt?
- Reaktionszeit: Wie schnell wird nachbesetzt, wenn jemand ausfällt?
- Transparenz: Was sind Zuschläge, Storno-Regeln, Mindestabnahmen, Kündigungsfristen?
- Fit: Kennt der Anbieter Ihre Branche wirklich – oder verkauft er „Allzweckpersonal“?
- Fairness: Wie wird mit Mitarbeitenden umgegangen (Bindung, Planung, Lohntransparenz)?
- Recht: Liegen Erlaubnisse sauber vor? Sind Prozesse dokumentiert?
30-60-90 Tage Plan: Abhängigkeit reduzieren oder bewusst steuern
Egal ob Sie Zeitarbeit abbauen oder sauber integrieren wollen: Sie brauchen einen Plan. Kein Aktionismus.
Tag 1–30: Wahrheit & Transparenz
- Zahlen: Wie viele Stunden Zeitarbeit? In welchen Bereichen? Welche Peaks?
- Ursachen: Warum fehlen Stammkräfte wirklich? (Dienstplan? Führung? Belastung? Recruiting?)
- Kalkulation: Stundensatz + Einarbeitung + Produktivitätsverlust + Teamkosten.
Tag 31–60: Stabilisierung
- Quick-Wins im Alltag: 2–3 Regeln, die sofort Entlastung bringen (z. B. Einspring-Regelung).
- Recruiting-Speed: Rückruf- und Terminprozess auf 24h/48h drehen (Zuständigkeit klären).
- Zeitarbeit steuern: Rahmen, Prioritäten, feste Ansprechpartner – damit es nicht chaotisch wird.
Tag 61–90: System bauen
- Flexpool-Konzept: Freiwillig, fair vergütet, sauber geplant.
- Recruiting-Kanal: Karriereseite/Bewerbungsstrecke/Tracking + passender Kanal-Mix (je nach Branche).
- Bindung: Onboarding, Probezeit-Steuerung, Team-/Führungsthemen – weil sonst alles wieder von vorne beginnt.
FAQ
Ist Zeitarbeit immer teurer?
Der reine Stundensatz ist oft höher. Ob es „teurer“ ist, hängt an Einarbeitung, Produktivität, Fehlerkosten und Fluktuation.
Wer nur den Stundensatz vergleicht, vergleicht zu kurz.
Ist Zeitarbeit „die Lösung“ für Fachkräftemangel?
Nein. Zeitarbeit verteilt Personal nur anders. Sie kann kurzfristig stabilisieren, aber sie schafft keine neuen Fachkräfte.
Was ist für Arbeitnehmer der größte Vorteil?
In vielen Fällen: mehr Kontrolle (Planung/Flex) und bessere Konditionen. Der Preis ist oft: weniger Zugehörigkeit und mehr Wechsel.
Was ist für Arbeitgeber der größte Nachteil?
Abhängigkeit. Wenn Zeitarbeit Standard wird, fehlt der Hebel, ein stabiles Stammteam aufzubauen – und das wird teuer (finanziell und kulturell).
Fazit
Zeitarbeit ist weder Engel noch Feind.
Sie ist ein Instrument. Und wie jedes Instrument kann sie retten – oder etwas kaputt machen, wenn man sie als Dauerlösung missbraucht.
Für Arbeitnehmer kann Zeitarbeit Freiheit bringen – wenn man Wechsel aushält und bewusst steuert.
Für Arbeitgeber kann Zeitarbeit Stabilität bringen – wenn man parallel das System baut, das sie überflüssiger macht.
Mein Rat: Treffen Sie die Entscheidung nicht ideologisch. Treffen Sie sie strategisch – und rechnen Sie ehrlich.
Quellen
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AÜG – § 8 Grundsatz der Gleichstellung (Equal Pay / Gleichstellung):
Gesetze im Internet
-
DGB – Tarifverträge & Entgelttabellen Zeitarbeit (Downloads & Überblick):
DGB Tarifinfo
-
Bundesarbeitsgericht – Presseinfo zur Überlassungshöchstdauer (Bezug auf § 1 Abs. 1b AÜG):
BAG Presse
-
Bundesagentur für Arbeit – Erlaubnis Arbeitnehmerüberlassung (Pflichten/Unterlagen):
arbeitsagentur.de
-
Zoll – Folgen bei illegalem Ver- und Entleih (unerlaubte Arbeitnehmerüberlassung):
zoll.de
-
CareRockets Podcast – Beispiel-Diskussion zu Zeitarbeit in der Pflege (Branchendiskurs):
CareRockets Podcast-Übersicht
-
Bundesagentur für Arbeit – Statistik/Publikationen „Zeitarbeit“ (Berichte & Tabellen):
statistik.arbeitsagentur.de
-
Wolfram Digital – Mitarbeitergewinnung (Bezug: ohne Zeitarbeit stabil einstellen):
wolfram-digital.de